Healthy Living

Reif für die Obstschale

Besonders die neue Achtsamkeit im Umgang mit unnötigem Energieverbrauch und damit verbundenem CO2-Ausstoß hat in den letzten zwei Jahren das Motto „Regional & Saisonal“ wieder populär gemacht. Wieder, weil noch vor 100 Jahren die allermeisten Nahrungsmittel nur regional, seltener national verfügbar waren.

Wir haben heute die Freiheit, Obst und Gemüse aus aller Herren Länder und zu jeder Jahreszeit kaufen zu können. Das geht aber meistens nicht nur zu Lasten der Umwelt, auch gesundheitlich hat die grenzenlose Vielfalt Nachteile.

Als moderner Konsument ist man es gewohnt, im Laden Produkte vorzufinden, die Frische und Haltbarkeit versprechen und denen man ihre lange Reise bestenfalls überhauptnicht ansieht. Obst und Gemüse, das einen langen Transportweg mit Zwischenlagerungen vor sich hat, kann also vor Ort nie ausgereift geerntet werden, da es mit zunehmendem Reifegrad empfindlicher wird.

Aber ist das schlimm? Schließlich wird doch jede grüne Banane früher oder später reif (sogar braun) und auch bei Äpfeln tut sich noch was, wenn sie erstmal zu Hause in der Obstschale liegen. – Ja und nein.

Früchte und Gemüse sind ein organisches Naturprodukt, dessen Abläufe wie Reifung oder Verderben nicht ohne Weiteres komplett zu stoppen sind. Allenfalls kann man diese Prozesse durch chemische Behandlung verzögern, beschleunigen oder anderweitig verändern. Dass Früchte überhaupt von der Pflanze gebildet werden und heranreifen, ist zudem abhängig von Licht – ohne Licht keine Frucht, nicht mal eine Pflanze. Natürliches Sonnenlicht ist für Pflanzen optimal, denn darauf haben sie sich über lange Jahrtausende angepasst.

Die biochemischen Prozesse, die unter Einwirkung von Sonnenlicht, frischer Luft und mineralstoffreichem Boden in einer Pflanze und ihren Früchten stattfinden, können nicht folgenlos unterbrochen oder ersetzt werden. Das bedeutet, dass ein Apfel, den man rot und reif vom Baum pflückt, um ihn innerhalb weniger Stunden zu verzehren natürlicherweise viel mehr aktive Wirkstoffe enthält, als ein Apfel, der unreif gepflückt, chemisch behandelt, transportiert und viele Monate (Ja, das ist möglich!) gelagert wurde. Selbst wenn dieser Apfel zu Hause in der Obstschale scheinbar weiter „reift“, ist dieser Vorgang nicht gleichzusetzen mit dem Reifungsprozess als Einheit mit der Mutterpflanze.

Mit anderen Worten:
Es ist für eine gesunde Ernährung sehr wichtig, wirklich an der Pflanze ausgereifte Früchte und Gemüse einzukaufen – und genau das ist nur saisonal und regional möglich.

Warum sind reife Früchte so gesund?

Jede Frucht und jedes Gemüse ist eine Schatztruhe verschiedenster Stoffe, die in unserem Körper ihre Wirkung entfalten. Aber wir nehmen mit der Nahrung nicht nur die bekannten Kohlenhydrate, Proteine, Mineralien und Vitamine auf sondern gleichzeitig auch eine Vielzahl sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe. Man hat längst noch nicht alle von ihnen entdeckt und erforscht, weiß jedoch, dass sie für die Aufnahme und Verwertung der o.g. Mineralien etc. von größter Wichtigkeit sind! Die Frucht bietet quasi in ihrem „Paket“ das nötige Werkzeug zum Einbau in unseren Stoffwechsel mit an.
Warum? Das konstruktivste Prinzip der Natur ist die Arterhaltung. Eine Pflanze ist zum Überleben darauf angewiesen, dass sie verzehrt und ihre Samen oder Kerne „in die Welt hinaus“ getragen werden. Sie hat größtes Interesse daran, dass es ihren „Boten“ gut geht, damit sie diese für sie existentielle Aufgabe möglichst lange und effektiv erfüllen können.

Wenn Obst und Gemüse zu früh geerntet werden, unterbricht man diese perfekt eingespielte Kooperation. Weder das Saatgut der Pflanze noch ihr Nutzen für den Menschen / die Tiere sind dann noch optimal, im ungünstigen Falle sogar schadhaft bzw. schädigend.

Wer gesund leben und sich auch so fühlen möchte, sollte darauf achten, reifes, unbehandeltes Obst und Gemüse zu verwenden.
Sicherlich darf es auch einmal die Ananas, Papaya oder Kokusnuss sein. Aber auch hier gibt es Unterschiede bei Herkunft, Transport und Behandlung und wenn möglich, sollten diese Produkte nicht den Hauptbestandteil der verwendeten Nahrungsmittel ausmachen.

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