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Lyrics + Words

Wie Sand am Himmel

Wochenlang hatte es nicht geregnet. Schatten, Konturen, die Abgründe und Höhen der Landschaft zerschmolzen zu einem wie aus Lehm gebrannten Abbild eines uralten Gedankens. Keine Farbe wagte es, den sandigen Frieden zu durchbrechen, den der Wind seit ewigen Zeiten durch die Wüste trieb.

Grobkörnig müssten die Fotos sein. Ja, das würde passen. So würde er die Lebendigkeit seiner Motive ganz erfassen können und zugleich die Sprache dieses Landes sprechen. Gestern, als er das Flugzeug verließ und die Hitze mit jedem Schritt weiter in ihn eindrang, bis sie ihn ganz ausgefüllt und ihm beinahe den Atem genommen hatte, da hatte er sich entschieden, die Erinnerungen dieser ausgetrockneten Stille zu finden. Vielleicht in einer Art Verzweiflung, um der glühenden Weite standhalten zu können, in die ihn der Jet ausgespuckt hatte, um dann mitsamt dem einzigen vertrauten Geräusch in dem sonderbar gelblichen Himmel zu verschwinden.

Er sah alles vor sich. Sein Werk, den Traum seines Lebens in Farben und Formen, die seine eigene Seele preisgeben würden – aber das war es ihm wert. Die Ausstellung würde in New York beginnen und von dort die ganze Welt erobern.
Er konnte es schaffen, das fühlte er.

Ein kalter Windstoß ließ die Tür laut ins Schloss fallen. Sie zuckte zusammen und sah von dem flimmernden Bildschirm auf. Wie klein sie sich hier fühlte – klein und schutzlos. Sie passte nicht in diese Stadt und nicht in dieses Büro, sie verstand die Menschen hier nicht und auch sich selbst immer weniger. Ihre Träume rissen sie immer wieder fort in eine undeutliche Kindheit, die irgendwo aprupt geendet hatte. Sie sah zu dem Bild, das über ihrem Schreibtisch hing. Es war aus einer der Künstlermappen gerutscht, die man ihr hineinreichte, damit sie sie – mit einer Absage versehen – zurückschickte.

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Lyrics + Words

Erhebend leben

„Im Laufe nur weniger Stunden war mein Leben – wie von einem großen kosmischen Pfannenheber – fein säuberlich gewendet und auf den Kopf gestellt worden.“ schreibt Elizabeth Gilbert in dem Roman „Das Ja-Wort“ – und ich liebe dieses Zitat! Warum? Ich wage zu behaupten,…

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Die Reise

Es war einer der ersten, besonders kalten Oktobertage, als mich ein sonderbares Geräusch von der Arbeit aufblicken ließ. Ich öffnete schließlich das Fenster und lauschte hinaus. Das unverkennbare V-förmige Band, das sich weit über mir am Himmel bewegte, erklärte das Geräusch: die Wildgänse waren…

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Von der Magie des Augenblicks

Wir haben es in den letzten Jahren so oft gehört und gelesen, dass das „Jetzt“ das entscheidende Moment im Leben ist, dass wir nur jetzt! etwas bewegen, verändern, erleben können. Sie klingt einleuchtend und verlockend, diese geheime Zauberformel zum Glück. Aber wirklich begreifen können…